Oldtimerrennen der Kilomètre lancé

Oldtimertreffen: Meine 6 wichtigsten Rallyes weltweit

Von der Arlberg Classic über die Mille Miglia bis Goodwood – ein Überblick über meine liebsten Oldtimertreffen

Eigentlich kann man das ganze Jahr auf Oldtimertreffen verbringen, so viele Veranstaltungen gibt es. Als leidenschaftlicher Automobilist, Classic Car-Fan und Fotograf war ich bei vielen Veranstaltungen dabei – hier sind die sechs Oldtimertreffen, die mir nach wie vor am besten gefallen.

Oldtimertreffen in Arlberg

Oldtimertreffen #1 – Die Arlberg Classic

Die Arlberg Classic gibt es nun schon seit zehn Jahren. Das ist das familiärste Oldtimertreffen. Und zwar gehen die Leute dort sehr gerne wegen der genüsslichen Fahrt hin – um die Alpenkulisse zu befahren, bei oft sehr schönem Wetter. Das Treffen ist nämlich Ende Juni, und da hat man meist Glück: Schnee und Eis sind weg, dafür das frische Grün und noch teils weiß bedeckte Bergspitzen – ein einzigartiges Bild.

Und die Alpenrally hat ein wahnsinnig schönes Rahmenprogramm, einen ganz tollen Begrüßungsabend in einer der schönsten Berghütten und eine ganz phantastische und elegante Siegerehrung. Man wohnt standesgemäß in einem der tollen Hotels (mein Lieblingshotel ist das „Hotel Arlberg“) und feiert drei oder vier Tage lang mit Stil.

Oldtimertreffen Arlberg-Stadt
Oldtimertreffen Arlberg
Oldtimertreffen Arlberg Hotel

Außerdem hat die Arlberg Classic knifflige Aufgaben – es wird einem schwer gemacht, unter die 120 ersten Fahrzeuge zu kommen. Aber dadurch, dass es nur 120 Teilnehmer sind, schafft man es doch… 😉

Wenngleich einen der kleinste Fehler um Lichtjahre zurückwirft… Es ist schon eng dort, und winklig. Wenn ich dort ein Auto nicht fahren wollte, wäre es so ein toller alter Rolls Royce oder so ein schwerer Vorkriegswagen. Mein Lieblingsauto dafür ist der Porsche, der rote 911 Targa von 1974  – möglichst schnell, möglichst sportlich, möglichst wendig.

Ich bin jetzt schon zehnmal mitgefahren und werde auch nächstes Jahr wieder mitfahren. Die Arlberg Classic ist ein Treffen unter Freunden – und Fahren in Traumkulissen. Viele der Arlberg Classic Cars findest du in meinem Buch „Classic Cars“.

Oldtimertreffen #2 – Goodwood

Goodwood ist das Stelldichein passionierter Sammler, nicht nur von Automobilisten und Automobilen, sondern vor allem was brummt und tickt. Da kommt man in zeitgenössischem Outfit und landet mit der JU52. Und das Programm ist voll SPEED und SPASS. 

Selbst war ich bislang noch nicht in Goodwood – ich war mehrmals eingeladen, aber es hat nie gepasst. In diesem Jahr stehen meine Chancen besser für das legendäre Oldtimertreffen: Ich war letztens mit dem Schwiegersohn vom Earl of March in Sankt Moritz beim „Kilomètre Lancé“, und wir haben schon mal darüber gesprochen.

Goodwood ist „the place to be“, und wer da mitfährt, fährt mit dem Messer zwischen den Zähnen.

>> Ein paar Pretiosen siehst du hier in meinem Aston Martin-Buch, und hier ist ein virtueller Rundgang durch Goodwood

Wenn ich tatsächlich mitfahre, müsste ich mir noch überlegen, mit welchem Fahrzeug ich teilnehme – da müsste es dann schon etwas Besonderes sein.

Ich habe einen schönen alten Austin Healey 3000 MKIII von 1965, der wäre vielleicht stilecht.

Dieser Austin Healey wäre mein Favorit, wenn ich in Goodwood mitfahre

Oldtimertreffen #3 – London to Brighton Veteran Car Run

London-Brighton muss man erlebt haben. Ich hatte 2017 das Glück, mit einer charmanten Chauffeuse in einem Oldsmobile Baujahr 1903 auf Tour zu gehen. 

Überhaupt dabei sein dürfen macht bei diesem Oldtimertreffen schon mal 80 Prozent der Challenge aus: Beim „London to Brighton Veteran Car Run“ sind nur Fahrzeuge mit einem Baujahr bis 1905 zugelassen, das jüngste Auto ist also 117 Jahre alt. Da fehlt den meisten Enthusiasten das passende Gefährt. 

London-Brighton ist die älteste Motorsportveranstaltung der Welt. 

Los ging’s um 7 Uhr morgens bei Eis und Kälte – das Rennen findet am ersten Sonntag im November statt. Start bei Sonnenaufgang im Hyde Park in London, und dann 54 Meilen (das sind 86 Kilometer) bis Brighton, am Ärmelkanal.

Mehr ist den Fahrzeugen – und ihren Fahrern – auch kaum zuzumuten: Alle fünf Meilen Öl nachfüllen gehört zum vorgeschriebenen Wartungsintervall. Wir haben zwölfmal angehalten auf der Strecke, plus die zwei offiziellen Halte unterwegs. 

Wer vor 16.30 Uhr ins Ziel kommt, wird mit einer Medaille geehrt.

Die anderen Disziplinen der London-Brighton sind die sogenannten Elektroautos, die gab es damals ja auch schon. Die halten ein bisschen länger durch als fünf Meilen… aber auch keine zehn. 

Oldtimerrtreffen in London
Oldtimertreffen London

Und noch mehr Stress haben die Dampfmobile: Die fangen schon am Donnerstag an, ihre Fahrzeuge hochzuheizen, mit Kohle und Briketts. Schon verrückt, wenn man überlegt, wie einfach Autofahren heute ist.

Interessant ist die Geschichte der Rallye London-Brighton: Dieses sehr besondere Oldtimertreffen stammt aus der Zeit, zu der es in London ein Eisenbahngesetz gab, den Locomotive Act.

Der besagte, dass motorbetriebene Fahrzeuge nicht schneller als vier Meilen pro Stunde fahren durften, das sind etwa 6,4 km/h.

Zudem musste jedem motorisierten Fahrzeug ein Fußgänger mit einer roten Fahne zum Einweisen vorausgehen. (Das Gesetz ist deshalb auch als Red Flag Act bekannt.)

Als der Red Flag Act 1896 gekippt wurde, feierten die ersten Autonarren das mit einem Rennen – und dann Vollgas von London nach Brighton. Wobei Vollgas seinerzeit ungefähr dreißig Stundenkilometer bedeutete.

Bis heute dürfen die Fahrzeuge bei der London-Brighton deshalb nur eine durchschnittliche Geschwindigkeit von 20 Meilen die Stunde haben, etwa 32 km/h.

Und bis heute wird zum Start der Rallye symbolisch eine rote Fahne zerrissen.

Oldtimertreffen in Italien

Oldtimertreffen #4 – Mille Miglia

Von der Mille Miglia – den berühmten tausend Meilen durch Italien – gibt es viele schöne Geschichten. Unter anderem die, wie Porsche-Werksfahrer Hans Herrmann 1954 zum Sieg fuhr, indem er an einer geschlossenen Bahnschranke den Kopf einzog und mit seinem Spyder kurz vor dem Zug unten durch raste. 

Ich bin das berühmte Oldtimertreffen zuletzt 2015 mitgefahren – genau 60 Jahre nach dem legendären Gesamtsieg von Stirling Moss: Der britische Rennfahrer hat die Strecke 1955 (ein Jahr nach Hans Herrmann) in der bis heute bestehenden Bestzeit geschafft.

Was schätzt du, was sein Rekord ist – für 1.600 Kilometer durch Italien?

Kleiner Tipp: Wir fahren heute etwa zweieinhalb Tage, manchmal drei lang. (Und sind danach platt.)

Stirling Moss und sein Beifahrer haben es 1955 in zehn Stunden geschafft.

2015 hab ich mein Buch über die Mille Miglia gemacht, und Stirling Moss war auch nochmal dabei. 

Irgendwo auf einer Allee bin ich mit meinem roten 300 SL Flügeltürer dann satte 220 Stundenkilometer gefahren und dachte mit einem Mal, jetzt landet ein Flugzeug auf meinem Dach, so ein Lärm war das.

Da war das Stirling Moss hinter mir, mit dem legendären Mercedes 300 SLR, mit dem er das Rennen sechzig Jahre zuvor gewonnen hatte.

>> Das Siegerauto von Stirling Moss ist die „Schwester“ des berühmten Uhlenhaut Coupés – das Coupé, das dieses Jahr als teuerstes Auto der Welt versteigert worden ist. Ich hatte es schon zweimal im Studio: 1983 noch in Wendlingen und 1988 in Leonberg für den 300 SL Kalender. –> Hier geht es zum Uhlenhaut-Coupé

In der Allee habe ich gerade mal mit dem 300 SL Flügeltürer durchgepasst, aber irgendwie hat Stirling Moss nichts Besseres gewusst und sich neben mir noch durchgequetscht, um zu überholen.

Das gibt’s doch nicht.

Da bist du nicht in der Lage, nebenher noch ein Foto zu machen…

Oldtimertreffen in Mille-Miglia
Oldtimertreffen-Mille Miglia abend

1957 gab es einen schlimmen Unfall bei der Mille Miglia, danach wurde das historische Rennen eingestellt. 

Seitdem ist das Oldtimertreffen ein Rendezvous der alten Zeit, in der  benzingetriebene Fahrzeuge noch die Massen begeisterten.

Sie ist immer noch richtig anstrengend und richtig schnell, die Mille Miglia, mit ganz vielen Sonderprüfungen. Aber es wird in Etappen gefahren, in Gruppen von höchstens 50 Fahrzeugen, und natürlich ganz anders reglementiert als seinerzeit.

Das Lustige ist: Auf der Mille Miglia siehst du eigentlich kaum was von Italien. Weil entweder du fährst Vollgas oder du stehst irgendwo an einer Kontrolle. 

Oder es regnet, oder du hast in den Apenninen bis zu drei Meter Schnee – und in Rom, je nachdem, wie das Wetter Anfang Mai ist, vielleicht schon 25 Grad. Dann hängst du da in deinem Flügeltürer drin, mit deinem Overall, ohne Klimaanlage, kriegst kaum Luft – und wenn du dich abends fragst, wo waren wir heute überall, fallen dir nur noch bestimmte Sachen ein, weil du so im Stress gewesen bist.

Wer Mille Miglia fährt, muss Zeit haben. Viele tolle Eindrücke von Bella Macchina und Dolce Vita findest du hier in meinem Buch über die Mille Miglia. Und von Leica gibt es auf Vimeo auch einen kurzen Film dazu.

Wie entwickelt sich der Oldtimermarkt?

Der Oldtimer-Markt boomt seit Jahren, auch weil viele Menschen ihr Geld in „Garagengold“ anlegen. Teils sind das große, professionelle Anleger, die dann gleich sieben- oder achtstellige Beträge in klassische Fahrzeuge investieren. Meist sind es aber Oldtimerfans wie ich, die eine Leidenschaft für schöne Autos haben – und denen der Werterhalt beziehungsweise Wertzuwachs eine willkommene Nebenwirkung ist.

Das teuerste Auto der Welt ist übrigens der Mercedes 300 SLR, den ich bei mir im Studio hatte – siehe Mille Miglia: Das ist das Coupé, mit dem Stirling Moss 1955 den Sieg einfuhr. Ein privater Sammler ersteigerte das legendäre Auto dieses Jahr für 135 Millionen Euro. Hier geht’s zum Bild. 

Oldtimerrtreffen in Marokko

Rallye #5 – Mille Maroc

Das nordafrikanische Gegenstück zur Mille Miglia – die Mille Maroc. Eintausend Meilen durch Marokko, eine Woche lang. 

Eine touristische Ausfahrt in eine andere Welt, mit schicken Klassikern von den 30ern bis in die 80er Jahre. Sagenhafte Landschaften, tolle Eindrücke, sehr freundliche Menschen – und die tollen Hotels, die fast schon Paläste sind. (Einmal hatten wir ein Bett, das war glaub ich drei Meter breit.)

Interessant sind bei diesem Oldtimertreffen vor allem die Gegensätze: Linker Hand fährst du an einem High Tech-Park vorbei, Straßen, Gebäude, alles ist da neu. Und rechts liegt dann direkt an der Straße ein Zouk, auf dem Lämmer gehandelt werden. Und eine Gerberei, in der das Leder noch wie im 16. Jahrhundert gegerbt wird. 

Organisiert wird die Mille Maroc von Jean-Jacques Radelet, ein Architekt, der nebenher tolle Geschichten aus seinem Beruf beisteuert. Für jeden Tag der Rallye denkt er sich neue Überraschungen aus… ein ganz eigener und eigensinniger Typ. Er macht das, weil er einfach Spaß dran hat.

Die Tour geht jedes Mal durch eine andere Landschaft und ist sehr familiär, es dürfen nur 25 Fahrzeuge, sprich Teams mitfahren. Wenn einer liegenbleibt, bleiben alle stehen. Und wenn einer stehenbleibt, weil er was Schönes sieht, bleiben die Anderen auch alle stehen. 

Die Mille Maroc ist wie ein Familienausflug – bloß ohne Streit.

Mindestens 20 Jahre alt müssen die Autos bei der Mille Maroc sein. Voriges Jahr ist einer mit einem alten Bugatti von 1930 mitgefahren, aber die meisten haben „modernere“ Fahrzeuge. Wir sind mit unserem 1984er Porsche 911 Targa 3.2 vergleichsweise bequem unterwegs. Natürlich könnte man es sich noch bequemer machen, indem man mit einem neueren Auto fährt – aber dann fehlt ja der Sinn. 

>> Porsche 356 – die sieben schönsten Versionen des ersten Sportwagens

Coole Location, coole Typen und coole Drinks schon beim Welcome-Abend. Leider übersichtlich klein – und auf Jahre im voraus ausgebucht. Ich fahre nächstes Jahr bei der Herbstausfahrt auch wieder mit. 

Oldtimertreffen in St. Moritz

Oldtimertreffen #6 – Der fliegende Kilometer von St. Moritz

Eigentlich ist Samedan als höchgelegener Flughafen Europas bekannt. 

Aber im Spätsommer wird der Airport bei St. Moritz ein Wochenende lang für ein Oldtimertreffen der besonderen Art gesperrt: 
 
Mehrere Dutzend Fahrzeuge aus den vergangenen hundert Jahren treten beim „Kilomètre lancé“ zu einem spektakulären Beschleunigungsrennen an.
Ein Teilnehmer der Kilomètre lancé
Oldtimmertreffen in St. Moritz
Vom American La France aus der Vorkriegszeit über einen historischen Rennwagen von BMW bis zum umgebauten 911er Elektro-Porsche lieferten sich die Fahrzeuge beim „fliegenden Kilometer“ auf der gut 1.800 Meter langen Startbahn von Samedan ein Rennen, das seinesgleichen sucht.
 
Kein Wunder, dass das Festival auf dem Engadin Airport zum weltweit besten Motor-Event des Jahres 2022 gekürt wurde.
 
Bestzeit machte ein Motorrad aus dem Hause BMW: Die BMW S 1000 RR schaffte den Kilometer in 18,06 Sekunden – schneller als der neue Ferrari 296 GTB.

Soviel zu meinen sechs wichtigsten Oldtimertreffen – und davon abgesehen würde ich gern mal noch was fahren, wo ich noch nicht war. Schottland zum Beispiel oder die Loire-Täler. 

Das Besondere an den Oldtimertreffen ist schon auch, dass man etwas macht, was man noch nicht kennt – entweder die Leute oder die Region.

Und immer gilt: Nicht alleine hinfahren. Du musst mindestens zu zweit oder zu dritt teilnehmen, damit du eine eigene Clique bist. Dann ist es toll. Zumal wenn du dann noch das Glück hast, dass das Auto durchhält.

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