Warum Autos immer nur in der Landschaft fotografieren?
Diese Frage stellte ich mir Anfang 1982, als ich soeben stolzer Besitzer eines Mercedes-Benz geworden war und den Katalog des Fahrzeugs durchblätterte.
Mein Wendlinger Großraumstudio war wieder einmal nur zum Teil ausgelastet, die Möbelindustrie nutzte die vorhandene Kapazität nur unzureichend aus. Schon lange wollte ich neue Branchen wie zum Beispiel die Automobilindustrie erschließen und startete die ersten fotografischen Versuche.
Bald brach ich meine Testaufnahmen wieder ab, mit dem vorhandenen Lichtequipment war kein außergewöhnliches Fotokonzept zu realisieren. Die große Enttäuschung der ersten Experimente zum Thema Automobil ließ mich aber derartig gründlich nachdenken, dass ich zunächst einmal alles bis dahin Erreichte infrage stellte und mir beim Nachdenken über meine bisherigen Erfahrungen und weiteren Entwicklungsmöglichkeiten auf dem Gebiet der professionellen Studiofotografie schlaflose Nächte einhandelte.
Irgendwann aber kam dann doch die erlösende Einsicht, als ich mich an meine recht frühen Erfahrungen erinnerte: Ich hatte Schmuck und Schreibgeräte, also hochglänzende Still-Life-Objekte, in atemberaubende Lichtinszenierungen getaucht, mit gleißenden Lichtverläufen ein gutes fotografisches Händchen bewiesen und mir gleichzeitig ein hochzufriedenes Kundenportfolio aufgebaut. Irgendwie war ich mit der Investition in das Studio in Wendlingen zwar platzmäßig zu mehr Freiheit, aber lichttechnisch gesehen zu großen Kompromissen gekommen. Große hochglänzende Objekte wie zum Beispiel Automobile unter den Bedingungen zu fotografieren, mit denen ich meine ersten Erfolge am Tabletop hatte?
Das musste es sein! Ein Hazylight (Lichtwanne, ein mal ein Meter) mit all seinen Vorteilen: absolut homogene Lichtflächen, große Blitzlichtausbeute, klar definierte Farbtemperatur, spielerisches Handling in der Aufhängung – aber viel, viel größer. Die ersten Experimente widmeten sich der Frage, wie groß ein Lichtfeld sein muss, damit ein Automobil vollständig ohne Lichtabriss ausgeleuchtet und inszeniert werden kann. Aus Länge und Breite der Leuchtfläche ergab sich bauartbedingt die Tiefe, durch meine Berechnungen von Einfall- und Ausfallwinkel des Lichts ergab sich eine Form, zu der es nun noch eine technische Umsetzung hinsichtlich Lichtleistung und Statik zu entwickeln gab.